Planungsguide
2026

Erste Bikepacking-Tour planen: So gelingt der Einstieg in 60–120 km

Realistische Etappen, bewährte Einsteiger-Routen, die richtige Ausrüstung und die häufigsten Fehler – alles, was du für deine erste Bikepacking-Tour wissen musst.

Zuletzt aktualisiert: 14. März 202622 Min. Lesezeit

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Plane für deine erste Tour 40–60 km pro Tag – mit Gepäck und Pausen bist du 5–7 Stunden unterwegs.
  • Flussradwege (Donau, Elbe, Isar, Mur) sind ideal für Einsteiger: wenig Höhenmeter, gute Beschilderung, Campingplätze alle 20–30 km.
  • Ein Campingplatz kostet 12–35 € pro Nacht – die günstigste Übernachtungsoption für Touren in DE/AT/CH.
  • Wildcampen ist in Deutschland und Österreich grundsätzlich verboten; in der Schweiz oberhalb der Waldgrenze oft toleriert.
  • Du brauchst kein Spezialrad – dein vorhandenes Trekking- oder Gravelbike ist für erste Touren vollkommen ausreichend.
  • Offline-Karten (OsmAnd oder Komoot mit Download) sind Pflicht – Mobilfunkempfang auf dem Radweg ist nicht garantiert.
  • Plane 200–300 kcal extra pro Stunde Fahrzeit ein – dein Energiebedarf steigt mit Gepäck deutlich.

Die erste Bikepacking-Tour ist oft das schwerste und das schönste Erlebnis zugleich. Schwer, weil du nicht weißt, was dich erwartet – wie sich 15 kg Gepäck anfühlen, ob die Ausrüstung passt, ob die Etappen realistisch sind. Schön, weil du nach zwei Tagen auf dem Fahrrad weißt: Das kann ich. Dieser Guide nimmt dir die Planungsarbeit ab und zeigt dir, wie du deine erste Tour von 60–120 km sicher, entspannt und mit dem richtigen Gepäck angehst.

Strecke & Etappen: Wie weit ist realistisch?

Der häufigste Fehler beim ersten Bikepacking: zu viele Kilometer planen. Mit vollem Gepäck fährst du langsamer, machst mehr Pausen und bist abends erschöpfter als gedacht. Die Faustregel für Einsteiger lautet: 40–60 km pro Tag auf flachen Strecken, 30–45 km bei Hügeln.

ProfilEmpfohlene TagesdistanzGeschätzte FahrzeitHöhenmeter/Tag
Flach (Flussradweg)50–70 km3,5–5 hunter 200 m
Leicht hügelig40–55 km4–6 h200–500 m
Hügelig (Mittelgebirge)30–45 km4–6 h500–900 m
Alpin (Pässe)25–40 km5–7 hüber 900 m

Warum Einsteiger systematisch zu viel planen

Ohne Gepäck fährst du 25 km/h Schnitt – mit 15 kg Bikepacking-Gepäck bist du schnell bei 18–20 km/h. Dazu kommen Einkaufsstopps, Pannen, Orientierung und die Tatsache, dass du alles zum ersten Mal machst. Halbiere deine gewohnte Tagesleistung als Ausgangspunkt.

Das 2-Tages-Einsteiger-Setup

Für die erste Tour empfiehlt sich ein Wochenende mit zwei Tagen à 50–60 km – also eine Gesamtstrecke von 100–120 km. Du kannst entweder eine Punkt-zu-Punkt-Strecke mit Zuganreise wählen oder eine Rundroute, die dich wieder zum Startpunkt bringt. Für Einsteiger ist die Punkt-zu-Punkt-Route meist entspannter: kein Umkehrdruck, du fährst immer in eine Richtung.

RouteTypLängeHöhenmeterBesonderheit
Donauradweg (Passau–Linz)Flussca. 130 kmca. 500 m gesamtEuropas bekanntester Radweg, perfekt beschildert
Isarradweg (München–Landshut)Flussca. 70 kmca. 150 mAb München, kurze Zwei-Tages-Tour
Bodensee-Radweg (Teilstück)SeebeliebigflachCampingplätze alle 10–15 km
Elberadweg (Dresden–Meißen)Flussca. 60 kmca. 100 mKulturell reich, asphaliert
Murradweg (Graz–Spielfeld)Flussca. 70 kmca. 200 mÖsterreich, ruhige Strecke

Praxis-Tipp

Starte deine erste Tour mit An- und Abreise per Zug. So entfällt die Autoorganisation, du kannst direkt losentspannen – und kommst nach der Tour nicht erschöpft nach Hause fahren müssen.

Routenplanung: So bereitest du deine Tour vor

Eine gute Routenplanung nimmt dir unterwegs den Stress. Du weißt, wo du übernachtest, wo der nächste Supermarkt ist und was bei schlechtem Wetter die Alternative wäre. Zwei bis drei Abende Planungszeit sind für eine erste Tour gut investiert.

Schritt-für-Schritt-Planung

Ziel und Zeitraum festlegen

Entscheide dich für eine Region und einen konkreten Start- und Zielpunkt. Prüfe die Wettervorhersage für das Wochenende. Buche Bahn-Tickets früh – Fahrradmitnahme im Regionalzug oft nur begrenzt verfügbar.

Route auf Komoot oder Outdooractive planen

Nutze Komoot oder Outdooractive für die Routenplanung. Wähle den Routentyp 'Radtour' oder 'Gravelbike' – nicht MTB. Prüfe das Höhenprofil: Steilanstiege über 10 % machen mit Gepäck keinen Spaß.

Übernachtungsplätze recherchieren

Suche Campingplätze entlang der Route mit camping.info oder ADAC Camping. Plane Etappenziele so, dass du gegen 16–17 Uhr ankommst – Zeit für Zelt aufbauen, kochen, entspannen. Alternativ: Hütten, Gasthöfe oder Warmshowers-Hosts.

Offline-Karte herunterladen

Lade die Karte der Region in OsmAnd oder Komoot vor der Abreise herunter. Teste die Navigation kurz zuhause. Kein Mobilfunk auf dem Radweg ist keine Ausnahme, sondern die Regel.

Testfahrt mit vollem Gepäck

Fahre 1–2 Wochen vor der Tour 15–20 km mit komplett beladenem Bike. So merkst du, ob Taschen scheuern, die Schaltung unter Last funktioniert und du mit dem Gewicht klarkommst.

Warmshowers: Kostenloses Übernachten bei Radreisenden

Warmshowers (warmshowers.org) ist eine Gastgeber-Community für Radreisende. Hosts bieten einen Schlafplatz – oft mit Dusche und Frühstück – kostenlos an. Ideal für längere Touren und zum Austausch mit erfahrenen Bikepackern. Profil anlegen und mind. 3–4 Wochen im Voraus anfragen.

Packliste für deine erste Tour zusammenstellen

Unser Konfigurator zeigt dir genau, welche Ausrüstung du für deine erste Bikepacking-Tour brauchst – abgestimmt auf Streckenlänge und Budget.

Setup-Konfigurator nutzen

Übernachtung: Campingplatz, Hütte oder Wildcampen?

Die Übernachtungsfrage ist für viele Einsteiger die schwierigste. Campingplatz ist die sicherste und entspannteste Option – du hast Duschen, Strom zum Laden und weißt, wo du schläfst. Wildcampen klingt nach Abenteuer, ist aber in Deutschland und Österreich verboten und für Einsteiger eine unnötige Komplikation.

OptionKosten/NachtVerfügbarkeitKomfortFür Einsteiger?
Campingplatz12–35 €sehr gut, buchbarDusche, Strom, WC✓ Empfehlung
Hütte / Berggasthof35–80 €gut, oft buchbarBett, Dusche, Frühstück✓ bei schlechtem Wetter
Gasthof / B&B50–120 €gutKomfort, kein Zelt nötig✓ als Luxusoption
Warmshowerskostenloseingeschränkt, anfragen nötigvariabel○ ab Tour 2
Wildcampenkostenlosrechtlich problematischkeine Sanitär✗ für Einsteiger

Wildcampen: Ehrliche Einschätzung für Einsteiger

Vorteile

  • Kostenlos – spart 15–35 € pro Nacht
  • Flexibel – kein fester Übernachtungsplan nötig
  • Naturerlebnis direkt am Wasser oder im Wald
  • In der Schweiz oberhalb der Waldgrenze meist toleriert

Nachteile

  • In Deutschland und Österreich gesetzlich verboten
  • Risiko: Bußgeld bis 500 €, Platzverweis nachts
  • Kein Zugang zu Dusche oder Toilette
  • Für Einsteiger: Stressfaktor beim Platz suchen
  • Unsichere Nacht = schlechter Start in den nächsten Tag

Campingplatz-Tipp

Auf dem Donauradweg und Elberadweg gibt es spezielle 'Radler-Plätze' – einfache, günstige Stellplätze nur für Radreisende, oft 8–15 € pro Nacht. Viele akzeptieren Spontankommer ohne Reservierung. camping.info und ADAC Camping zeigen diese Plätze auf der Karte.

Ausrüstung: Was brauchst du wirklich?

Für eine erste 2-Tages-Tour brauchst du deutlich weniger als du denkst. Das Ziel ist ein Systemgewicht unter 15 kg (Bike + Gepäck + Bekleidung am Körper). Was folgt, ist eine bewusst kurze Liste – kein vollständiges Bikepacking-Setup, sondern ein funktionierendes Einsteiger-Setup.

KategorieEmpfehlungGewichtca. Preis
SatteltascheDecathlon Rockrider ADVT 500 (10 l) oder ähnlichca. 350 gca. 25–40 €
Lenkertasche / DrybagOrtlieb Drybag 10 l + Lenkerhalterca. 200 gca. 30–50 €
Rahmentascheoptional – generische Rahmentascheca. 150 gca. 20–35 €
Schlafsack3-Jahreszeiten-Kunstfaser, 800 g Klasse700–900 gca. 50–100 €
Isomatteaufblasbar, R-Wert 2+350–500 gca. 40–80 €
Zelt oder Bivy2-Personen-Zelt (Solo nutzen) oder Bivy1.000–2.000 gca. 80–200 €
Regenjackewasserdicht (10.000 mm+), packbar300–500 gca. 50–150 €
Werkzeug & Pannset2 Schläuche, Hebel, Mini-Pumpe, Multitoolca. 400 gca. 20–40 €
Verpflegung (1 Tag)Riegel, Nudeln, Frühstück, Snacksca. 1.200 gca. 10–15 €
Wasser (1,5 l)Faltbare Flasche oder normale PET-Flascheca. 1.500 g
Gesamt (ca.)ca. 5.500–8.000 g Gepäckca. 300–700 €

Leih- und Secondhand-Option für Einsteiger

Bevor du 500 € in Ausrüstung investierst: Frag im lokalen Outdoorfachhandel nach Leihausrüstung (Zelt, Schlafsack, Isomatte). Viele Geschäfte verleihen Camping-Grundausstattung für 15–30 € pro Wochenende. Auf eBay Kleinanzeigen findest du gute gebrauchte Bikepacking-Taschen für 30–50 % des Neupreises.

Dein persönliches Packlisten-Setup

Gib deine Tourenlänge, Jahreszeit und Budget ein – der Konfigurator erstellt dir eine konkrete Ausrüstungsliste für deine erste Bikepacking-Tour.

Setup-Konfigurator nutzen

Sicherheit: Was du wissen musst, bevor du losfährst

Bikepacking auf ausgeschilderten Radwegen ist grundsätzlich sicher – aber ein paar Vorkehrungen schützen dich vor den häufigsten Problemen. Teile immer deine Reisepläne mit jemandem zuhause: Route, geplante Übernachtung, Rückkehrzeitpunkt.

LandNotruf allgemeinPolizeiADAC / ÖAMTC / TCS
Deutschland1121100800 5 10 11 12 (ADAC)
Österreich112133+43 1 25 120 (ÖAMTC)
Schweiz1121170800 809 333 (TCS)

Pannset-Mindestausstattung

Diese 5 Teile kosten zusammen ca. 25 € und lösen 95 % aller Pannensituationen: 2 Ersatzschläuche (passend zu deiner Reifengröße), 2 Reifenheber aus Kunststoff, Mini-Luftpumpe mit Manometer, Flickzeug-Set, Multitool mit 4er- bis 6er-Inbus. Übe den Schlauchwechsel einmal zuhause – nicht unterwegs zum ersten Mal.

Weitere Sicherheitsaspekte

  • Licht: Vorder- und Rücklicht sind in Deutschland Pflicht – auch tagsüber empfohlen. USB-aufladbare Lichter mit mindestens 6-Stunden-Akku wählen.
  • Helm: Kein Gesetz, aber Pflicht für dich selbst. Ein normaler Fahrradhelm genügt.
  • Versicherung: Haftpflichtversicherung prüfen – viele Haushaltsversicherungen decken Fahrradschäden an Dritten ab.
  • Fahrradschloss: Leichtes Faltschloss (ca. 300 g) für Kaffeepausen. Nachts das Bike ans Zeltheringe-Gestänge sichern.

Ernährung: Wie viel musst du essen?

Mit Gepäck verbrauchst du deutlich mehr Energie als bei einer normalen Radtour. Rechne mit 500–700 kcal pro Stunde Fahrzeit statt der üblichen 300–400 kcal. Bei einem 6-Stunden-Fahrtag mit Gepäck brauchst du also 3.000–4.200 kcal – plus deinen Grundumsatz.

Kochen am Campingplatz vs. Restaurants

Vorteile

  • Selbst kochen: 5–10 € pro warme Mahlzeit statt 15–25 € im Restaurant
  • Nudeln, Couscous und Kartoffelpüree aus dem Supermarkt sind leicht und kalorienreich
  • Ein Gaskocher (ca. 30 €) + Kartuschen (ca. 5 €) reicht für 2 Tage locker
  • Frühstück am Campingplatz selbst zubereiten spart täglich 8–15 €

Nachteile

  • Kocher + Topf + Kartusche = ca. 500 g Mehrgewicht
  • Viele Campingplätze haben einfache Küchen – Kocher dann optional
  • Auf kurzen Touren (2 Tage) zahlt sich der Kocher kaum aus
  • Supermarkt muss auf der Route liegen – vorher prüfen

Verpflegungsstrategie für Einsteiger

Starte mit Müsliriegel, Nüssen und Trockenfrüchten als Unterwegssnacks (alle 45–60 Minuten etwas essen). Nutze Bäckereien und Supermärkte am Weg für Mittagessen. Am Campingplatz kochen für Abendessen und Frühstück. Kein Kochset für die erste 2-Tages-Tour – erst ab Touren über 3 Tage lohnt es sich.

Die 8 häufigsten Fehler bei der ersten Bikepacking-Tour

Zu große Tagesetappen planen

80–100 km an Tag 1 klingen machbar – mit 15 kg Gepäck, Gegenwind und Orientierungsstopps bist du nach 60 km fertig. Halbiere deine gewohnte Tagesleistung als Ausgangspunkt.

Auf Wildcampen setzen ohne Rückfallplan

Wildcampen ist in DE/AT verboten. Wenn du trotzdem darauf setzt und keinen Platz findest, stehst du um 20 Uhr ohne Übernachtung da. Immer einen Campingplatz als Backup reservieren.

Kein Offline-Backup für Karten

Der Donauradweg ist gut beschildert – bis die Schilder aufhören oder du eine Abkürzung nehmen willst. Ohne Offline-Karte bist du aufgeschmissen, sobald der Mobilfunk wegfällt.

Vollgas am ersten Tag

Die erste Stunde fühlt sich leicht an – nach 4 Stunden merkst du die Knie und den ungewohnten Sattel. Fahre die ersten 2 Stunden bewusst langsam, bis du den Rhythmus mit dem Gepäck gefunden hast.

Pannset vergessen oder nicht üben

Eine Reifenpanne ist keine Katastrophe – wenn du weißt, wie man einen Schlauch wechselt. Übe es einmal zuhause. Mit einem leeren Reifen auf dem Radweg ohne Übung wird es Stress.

Verpflegungslücken unterschätzen

Auf dem Donauradweg gibt es zwischen Engelhartszell und Aschach keinen Supermarkt über 30 km. Prüfe auf komoot oder maps.me, wo Supermärkte und Bäckereien auf deiner Route liegen – und trage immer Reserveriegel mit.

Keine Testfahrt mit vollem Gepäck

Eine Satteltasche, die im Stand toll sitzt, kann beim Fahren den Hinterrad-Betrieb beeinflussen oder am Reifen scheuern. Mach eine 15-km-Testfahrt mit allem Gepäck 1 Woche vor der Tour.

Schlechtes Wetter ignorieren

3 Tage Regen in der Wettervorhersage, aber los fahren wegen 'wird schon werden'. Bikepacking im Dauerregen ist möglich – aber kein Spaß für die erste Tour. Verschiebe lieber 1 Woche als mit Frust anzufangen.

Häufige Fragen zur ersten Bikepacking-Tour

Häufig gestellte Fragen

Bereit für deine erste Bikepacking-Tour?

Unser Konfigurator hilft dir, die passende Ausrüstung für deine erste Tour zusammenzustellen – abgestimmt auf Route, Jahreszeit und Budget.

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